Leseproben aus dem Buch  "Wortwerk" 


 

 

 Auszug aus der Prosa-Geschichte "Vaters Taschenuhr":

 

 

... Die Freude war groß. Nun konnte ich selbst meine Leistung messen. Ich malte mir aus, wie ich jeden Tag die Strecke ablaufen und mit jedem Lauf schneller werden würde. Ich musste nur Vater überzeugen, dass er mir die Uhr öfter leihen möge.

„Womöglich werde ich einmal ein bedeutender Läufer“, dachte ich hoffnungsvoll.

Ich wollte gleich ein zweites Mal laufen, sah auf die Uhr, um wieder abzuwarten, bis der Zeiger sich auf die Zwölf zubewegte und ... erstarrte: Obgleich ich das Magnetstück bereits entfernt hatte, stand der Sekundenzeiger auf der vorhin abgelesenen 32-Sekunden-Marke und rührte sich nicht. Mit ihm solidarisch, bewegten sich auch Stunden- und Minutenzeiger nicht. Da half kein Klopfen und Schütteln. Die Uhr weigerte sich standhaft, den ihr zugedachten Dienst anzutreten.

Die Antwort meines ...


Aus dem standardsprachlichen Bereich:

Das Alter


Wer will da übers Alter lästern?
Wer sagt: „Viel schöner war das Gestern“?
Das Gestern (ja, die Jugend war es)
war sicherlich was Wunderbares
und gerne denk ich dann und wann,
was Jugend offenbaren kann:

Die Jugend ist ein wilder Fluss,
der sich in Strudeln raufen muss,
der tosend, gleichsam heldenhaft
als Wasserfall auch Absturz schafft.

Das Alter gleichwohl macht’s bedächtig,
die Empirie macht’s Alter mächtig.
Als Gleichnis kommt mir in den Sinn:
Der Fluss fließt ruhig nun dahin!

© Maximilian Unger


Winternacht

Es senkt das Dunkel sich nun früh
auf weiße Winterpracht.
Der Tag verliert trotz aller Müh
den Kampf bald geg’n die Nacht.
Die Krähe, die am Zaun verweilt,
krächzt noch ein letztes Krah,
bevor sie in die Nacht enteilt.
Dann ist das Mondlicht da.
Es leuchtet weit ins freie Feld,
gibt Schneekristallen Glanz.
Zur Ruhe kommt die Winterwelt,
der Wind schläft nun auch ganz.

In dieser Welt, so still und weit,
in diesem hehren Schweigen,
ist dieser sanften Einsamkeit
Erhabenes zu Eigen.

© Maximilian Unger


Im Mundart-Teil:

Au-Pair-Mädchen

Da Fritzi späht frühmorgens immer
durchs Schlüsslloch ins Gästezimmer.
Do drin logiert a Madl zur Zeit.
Au-Pair-Girl nennt ma sowås heut!

Die Mami kimmt do grod um das Eck:
und wettert unwirsch: „Hearst geh weg!
Wos ’s Madl drin tuat, geht di nix ån!
… Dass dir ah sowos einfolln kånn!“

„Ah geh, jetzt reg di net so auf“,
beschwichtigt er die Mami drauf,
„mir is am Madl jo eh nix glegn.
Wos Papi drin mocht, wüll i sehgn!“

 © Maximilian Unger


Frühlingsgebet

Lieber Gott, jetzt schau mi ån:
An mei’ Wåmpm is zvül drån!
I tät holt recht g’fällig bittn:
Moch mi dünner um die Mittn!
Doch wennst moanst, dass es sou bleib,
wal i’s Futtern übertreib,
dånn sei bitteschön sou nett
und moch die andern olle fett!

 © Maximilian Unger


... und vieles mehr!