Monatsgedicht

Hier finden sich – monatlich aktualisiert – Gedichte,  fallweise auch Prosawerke.


Beitrag September 2022

Zur Abwechslung wieder einmal ein nicht ernst zu nehmendes Mundartgedicht:

 

 

 

Das neue Gebiss

 

'n Huaberbauer zipfts scha ån,

dass er net gscheit mehr beißn kånn.

Da Grund für die Verstimmung is:

Es holt' net richtig, sei' Gebiss!

Und wos iahm b'sonders giftn tuat:

Die Huaberbäurin kocht sou guat,

und er tat gern sou richtig schlemmen

und kånn net, wal sie oba kemmen,

die Zähn. Dånn woaß er oft goar net,

wou sei Gebiss im Mund umgeht.

Des draht si' in der Goschn drin

als wia in aner Mischmaschin.

Es hot'n immer mehr verdrossn,

sou hot er endlich dou beschlossn,

dass er beim Zåhnårzt Hülfe suacht.

Sou is er in die Praxis gschuacht,

und durt mocht iahm der Zåhnårzt glei

a gscheits Gebiss, vullkommen neu!

Der Huaberbauer hot a Freud:

Sei Gfrett, des is er los, åb heut!

Dånn kriag der olte Zåhnersotz

dahoam im Glasl nou an Plotz

(er möchert seine Zähn, die oltn,

vorsorglich als Reserve b'holtn).

Hiatz kånn er wieder ohne Muckn

Schweinsbrotn, Knödl und olls verdruckn.

Doch eines Tags, sou a Malheur:

die neugn Zähn passn iahm net mehr!

Sou foahrt er schleunigst in die Stådt

zum Zåhnårzt, der's Gebiss gmocht hot.

Durt jammert er: „A sou a Schmoarrn!

Wou die Zähn eh sou passend woarn!

Wie gibt’s 'n des? Wos is der Grund?

Is es am End a Gaumenschwund?"

Der Zåhnårzt hot den Grund glei gsehgn:

Es is am Huaberbauern glegn!

Denn der hot si’s zur Gewohnheit gmocht:

die Zähn ins Glasl über d’Nocht.

In d’ Friah, wie er’s hot ausagfischt,

hot er die oltn Zähn dawischt!"

 

 © Maximilian Unger

 



Weitere Werke, Lyrik und Prosa – heiter wie auch tiefgründig, finden sich in meinen diversen Publikationen! Siehe hier!