Monatsgedicht

Hier finden sich – monatlich aktualisiert – Gedichte,  fallweise auch Prosawerke.


Monatsgedicht Juli:

 


Die Erkenntnis

Es war uns Menschen einst gegeben:
wir konnten alle davon leben,
was uns des Ackers Scholle bot.
Die Existenz war so im Lot!
Die Menschen waren zwar gebunden
ans Wetter, doch somit verbunden
zutiefst mit unserem Planeten,
indem das Schicksal eines jeden
gekoppelt war mit dem der Erde.
Auf dass zu ihrem Wohl dies werde,
hielt sich die Menschheit stetig nur
strikt an das Zeitmaß der Natur.
Der Sonnenaufgang gab das Zeichen,
der Schlummer musst’ dem Schaffen weichen
und ging die Sonne abends nieder,
da schonte auch der Mensch die Glieder.
Der Tag verlief – ganz ohne Hetze
– im Gleichmaß der Naturgesetze.

Der Bezug zu uns’rer Erde
wächst nunmehr leider ins Verkehrte:
Das Wetter kann uns kaum was tun,
wir greifen ein mit Technik nun.
Die Dunkelheit, wann’s uns gefällt,
wird künstlich nun durch Licht erhellt.
In keinerlei Bezug mehr steht
das Leb’n mit dem, das vor sich geht
im Freien. ’s ist nicht zu bestreiten:
Der Mensch bezwingt die Jahreszeiten!
Er schottet sich zunehmend ab
von dem, was die Natur einst gab.
Das Staunen ob des Erdtrabanten
Reichhaltigkeit kommt uns abhanden.
Der Mensch bringt sich durch dieses Tun
um Ehrfurcht vorm Planeten nun.

Entdeckt sie neu! Mein Rat dafür:
Wacht auf, seht wieder vor die Tür!.

© Maximilian Unger, 2019



Weitere Werke, Lyrik und Prosa – heiter wie auch tiefgründig, finden sich in meinen diversen Publikationen! Siehe hier!